Theaterstatistik, KPIs, Teil II: Personalentwicklung

Bild: Dall-E nach Vorgaben des Autors

In Teil I der Betrachtungen zur Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins habe ich mich mit Besuchen (nicht: Besucher:innen, die Anzahl ist unbekannt!), Veranstaltungen und den Einnahmen beschäftigt. In diesem Teil II betrachte ich die Personalentwicklung. Die Anzahl der Beschäftigten liegt bei der Gründung der Bundesrepublik bei ca. 14.000. Nach dem Krieg und den Chaos-Jahren bis 1949 herrscht großer Hunger nach Unterhaltung. Erwartungsgemäß steigt die Zahl der Theater und damit auch der Beschäftigten nach dem Krieg mit der Wiedereröffnung und den Neubauten zahlreicher Theater (den Effekt von Kinobesuchen und dem aufkommenden Fernsehen ab Ende der 50er betrachte ich hier nicht).

Diese folgende Statistik zeigt die Gesamtzahl der Beschäftigten (blaue Linie). Anhand der Balken sieht man die Zahlen für die künstlerisch Beschäftigten (orange) und die nicht-künstlerisch Beschäftigten (grau). In den Anfangsjahren der Theaterstatistik werden nur diese beiden Gruppen unterschieden, später gibt es eine größere Differenzierung in den einzelnen Berufsgruppen. Bei den Künstlern werden dann die Genres unterschieden (Sänger, Schauspieler, Ballettmitglieder, Chormitglieder, Orchestermitglieder, später kommen dann auch die Mitglieder der Kinder- und Jugendtheater dazu), die sonstigen Beschäftigten werden als nicht-künstlerisches Personal bezeichnet. Erst nur Technik, Verwaltung und Hauspersonal, später wird auch hier differenziert nach Technik, Werkstatt, Maske und Kostüm.

Anm: Die Zahlen für 1975-1990 haben mir zur Zeit der Erstellung des Beitrags noch nicht vorgelegen. Zwischen 1949 und 1965 gibt es immer wieder Lücken, wo Daten für einzelne Jahre auch in der Literatur fehlen. Der große Sprung 1990/91 ist gekennzeichnet durch die Wiedervereinigung. In der DDR hat es zahlreiche Theater gegeben, die nach der Wiedervereinigung natürlich in den Bühnenverein und damit auch in die Theaterstatistik aufgenommen worden sind.

Da für die Jahre vor 1990 nicht in allen Fällen detaillierte Zahlen für die verschiedenen Berufsgruppen vorliegen, zeigen die nächsten Grafiken die Daten seit 1990/91. 

Bild: Theaterstatistik 1996/97 mit den Spaltenköpfen zum Personal

Ab 2004/05  werden weitere Differenzierungen beim nichtkünstlerischen Personal vorgenommen. Erstmals werden Vertrieb (2004 – 2021: 712 auf 988) und Azubis (2004 – 2021: 750 auf 944) gesondert ausgewiesen. Die Zahlen sind verhältnismäßig niedrig, man sieht aber kleine Farbschichten in der Mitte des Diagramms. Auffällig ist das starke Wachstum beim nicht-ständigen Personal. In den früheren Statistiken bis 2004 werden nur Gastverträge angezeigt, danach gibt es eigene Spalten für Abendgäste und Werk-/Dienstverträge. Es versteht sich, dass es sich um nicht-ständige Mitarbeitende handelt, die nicht das ganze Jahr über beschäftigt sind. Zum besseren Verständnis werden die Daten hier aber so dargestellt, als ob.

Bild: Theaterstatistik 2020/21 – Die Anzahl der Spaltenköpfe für Personaldaten hat sich stark vermehrt

Es ist deutlich erkennbar, dass bei gleichbleibendem ständigen Personal die Anzahl der nicht-ständig Beschäftigten stark zunimmt und zeitweise die Anzahl der künstlerischen Mitarbeiter deutlich übersteigen (in der Annahme, dass es sich beim nicht-ständigen Personal überwiegend um künstlerische Mitarbeitende handelt, z. B. Regie, Kostüm, Bühnenbild, Musik, z.T. auch Sänger:innen und Schauspieler:innen).

Das folgende Diagramm zeigt noch einmal die Zahlen für das ständige Personal und die Gäste im Vergleich zur Anzahl der angebotenen Veranstaltungen. Mit Beginn der Pandemie sind die Zahlen für das ständige Personal stabil geblieben Dank der staatlichen Hilfsprogramme und der Kurzarbeit, die an vielen Häusern eingeführt worden sind. Die Gästezahlen haben stark abgenommen. Die Theater sind unterschiedlich mit Gästen umgegangen, geltende Verträge sind überwiegend honoriert worden, viele freie Künstler haben Unterstützung als Solo-Selbständige beantragen können und müssen.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Geschlechterverteilung im Theater. Seit 1990 wird die Anzahl der weiblichen Beschäftigten aufgeführt. Leider ohne jede Einordnung in die Berufsgruppen oder gar Leitungsebenen. Es ist bekannt, dass der Frauenanteil weniger als 20% in den Führungsetagen der Häuser beträgt. Trotzdem lohnt ein Blick auf die Entwicklung. 

Die rote Linie zeigt die Differenz im Frauenanteil an allen Beschäftigten an. Diese Differenz ist in 30 Jahren von 26,6% auf 5,6% in 2019/20 gesunken, in 2020/21 hat sich die Differenz allerdings wieder fast verdoppelt auf 9,1%. 

2019/20 ist erstmals die Spalte „divers“ in die Theaterstatistik aufgenommen worden. Sie weist in dem Jahr ganze zwei Beschäftigte in dieser Spalte aus, in 2020/21 erhöht sich diese Zahl auf zehn.

Es gibt weitere Entdeckungen in der Theaterstatistik zu machen. Stay tuned.

Quellen: Alle Zahlen entstammen den Theaterstatistiken des Deutschen Bühnenvereins. Die Zusammenstellung der Daten, die Erstellung von einzelnen Berechnungen und Diagrammen ist von mir. Weitergabe nur mit ausführlicher Quellenangabe.

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UK: Rückblick auf 2022 – Musicals are back, Theatre and Classical Music not so much

In Groß-Britannien wird seit Jahren intensiv Zuschauerforschung betrieben. The Audience Agency ist eine der Agenturen, die sich sehr intensiv mit Publikumsforschung beschäftigt. Der große Vorteil in UK: Daten werden über Schnittstellen von den Ticketingssystemen abgefragt und zusammen mit Zuschauerbefragungen ausgewertet.

The Audience Agency veranstaltet monatlich sog. Tea Breaks, in denen kurz&knapp (ein Format, dass wir vom IKTF kennen), neueste Erkenntnisse vorgestellt und besprochen werden.

Am 15.3.2023 wurden einige Erkenntnisse für 2022 vorgestellt, die Session wurde wie immer aufgezeichnet und steht demnächst mit der Präsentation zur Verfügung.

Hier ein Grafik, die auf die Genres schaut (vertikal) und auf die Anzahl von Veranstaltungen, Ticketkäufer und den Erlös.

Quelle: The Audience Agency, Vortrag am 15.3.2023

Deutlich erkennbar ist, dass Musicals und Christmas Shows (Panos, eine Besonderheit im angelsächsischen Raum, für die ich Deutschland keine Entsprechnung kenne) zurückgekommen sind sowohl in der Anzahl der Performances, als auch bei Ticketkäufern. Der Erlös ist 26% über dem Vergleichszeitraum, was wegen der Kostensteigerungen und der Inflation auch notwendig ist.

Erkennbar ist auch, das Klassische Musik und Schauspiel deutlich unter dem vorpandemischen Niveau geblieben sind. Bei Orchestern ist die Anzahl der Veranstaltungen gleich hoch wie vorher mit deutlich weniger Besucher:innen (-20%), was sich in deutlich niedrigeren Erlösen zeigt. Die Anzahl der Veranstaltungen im Schauspiel ist deutlich niedriger, kombiniert mit weniger Besucher:innen sind auch hier die Erlöse um 32% eingebrochen.

Als nächstes ein Grafik, die auf die Genres schaut (vertikal) und auf die Besuchergruppen (horizontal). Die Besuchergruppen sind codiert/segmentiert in z.B. Metroculturals / Fronline Families / Trips & Treats / Commuterland Culturebuffs et al. Eine komplette Zusammenstellung findet sich hier.

Quelle: The Audience Agency, Vortrag am 15.3.2023

In der Mitte erkennt man vertikal zwei große Trends: bei T&T (Trips & Treats = „Mainstream arts and popular culture fans influenced by children, family and friends“) deutliche Steigerungen bei Musical, Christmas Shows und Dance, bei den H&H (Home & Heritage = „Rural and small town pensioners attracted to daytime activities and historical content“) deutliche Einbrüche über alle Genres, besonders stark beim Schauspiel und Orchestermusik. Deutliche Einbrüche sind auch sichtbar bei den CC (Commuterland Culturebuffs (2. von links)) über mehrere Genres. Die Vermutung hier ist, dass durch viele Home Office – Beschäftigte weniger Pendler in die City fahren und weniger Gelegenheit zum Besuch kultureller Veranstaltungen haben. Aber: einige größere Veranstalter in der City beteiligen sich nicht an den Audience Finder Daten, da ergeben sich möglicherweise Unschärfen.

Ein Blick nach draußen lohnt sich immer. Ich empfehle daher allen Interessierten, sich für den Audience Agency Newsletter zu registrieren und gelegentlich an den monatlichen Sessions von ca. 30 Minuten teilzunehmen.

Quelle: Tea Break. The Audience Agency, Online Webinar, 15.3.2023

[Now with English Diagrams] Theater Statistics – Key Performance Indicators for the Seasons 2000 – 2021

Diagramm, generiert von Dall-E nach Vorgaben des Autors

[For a translation into different languages please click on the right side and select your preferred language. The diagramms are translated by the author. All the blame for incorrect descriptions fall on me.]

Die Theaterstatistik ist eine selbst in der Kulturöffentlichkeit wenig beachtete jährliche Veröffentlichung des Deutschen Bühnenvereins über betriebswirtschaftliche Details aus den Mitgliedsbetrieben, den Stadt- und Staatstheatern, einigen Privattheatern und Orchestern: Besuche, Premieren, Vorstellungen, Einnahmen und Ausgaben, Personal. Nicht mal in den Theatern interessiert man sich wirklich dafür – den meisten Künstler:innen wird es relativ gleichgültig sein, wie viele Zuschauer:innen genau in einer Vorstellung sitzen und wie die Lage bei den Einnahmen vs. Ausgaben ist. Ganz anders ist natürlich die Lage in der Verwaltung, wo genau diese Daten für Buchhaltung und Controlling von großer Bedeutung sind, dort entstehen auch die Zahlenwerke, die letzten Endes jedes Jahr beim Deutschen Bühnenverein die Grundlage für die Theaterstatistik[1] bilden.

Theaterstatistik 2020/2021 des Deutschen Bühnenvereins

Die ersten Theaterstatistiken entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der frühere Theaterleiter und Gründer des Deutschen Bühnenvereins (1849) Karl Theodor von Küstner[2] hat seit 1853 mehrere Ausgaben veröffentlicht. Im Vorwort seiner ersten Theaterstatistik schreibt er 1853[3]:

In der Ausgabe von 1857 heißt es:

“Es ist daher stets ein Princip meiner Administration gewesen, hierin die größte und möglichste Veröffentlichung eintreten zu lassen, lediglich aus dem Grunde, daß ich dadurch zu nützen glaubte.”[4]

Über die Theaterstatistik habe ich schon häufiger geschrieben (z. B. hier). Meine Motivation ist, ähnlich wie bei Küstner vor über 100 Jahren, die Transparenz.

Zum ersten Mal mit ihr in Berührung gekommen bin ich durch Seminare, die ich bei Prof. Armin Klein am Institut für Kulturmanagement in Ludwigsburg besucht habe. In seinem Buch „Besucherbindung im Kulturbetrieb“[5] findet  sich eine Statistik über den sinkenden Anteil der Abonnenten im Kartenverkauf. Seine Zahlen umfassen die Zahlen von 1990 bis 2000 (S. 151). Allerdings findet sich auf der gleichen Seite auch der Gegenbeweis über steigende Zahlen im gleichen Zeitraum – für die Oper Stuttgart. Zwangsläufig müsse die Entwicklung also nicht immer in Richtung sinkende Zahlen laufen, schreibt Klein schon damals. Auch Magnus Still[6] beweist bei seinen Kunden, überwiegend Orchestern, immer wieder, dass ausverkaufte Abonnements möglich sind (u.a. in diesem Blogbeitrag).

Ich habe dann irgendwann angefangen, diese Grafik fortzuführen für meine Lehrveranstaltungen zu „Ticketing und Vertrieb im Kulturmarketing“ an den Lehrstühlen für Kulturmanagement (Prof. Armin Klein) in Ludwigsburg und an der FU Berlin (Prof. Siebenhaar). Erstmals ausgeweitet habe ich meine kleine Zeitreihenuntersuchung dann 2022, als ich die Entwicklung bei den Besucherorganisationen untersucht habe (s. „Das langsame Sterben der Besucherorganisationen“, 2022).

2014 hielt der Dramatiker Ulf Schmidt einen Vortrag bei der Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft in Heidelberg, der später bei nachtkritik.de unter dem Titel „Auf dem Weg zum agilen Theater“ erschien. Für diesen inspirierenden Vortrag hatte er eine Vielzahl von Daten aus der Theaterstatistik zusammengetragen und war auf ein großes Interesse gestoßen – mit solchen Zahlen hatten sich Dramaturgen und Autoren bis dato kaum beschäftigt. Seither ist die Theaterstatistik eher kein Thema mehr gewesen.

Die hier vorliegenden Auswertungen enthüllen keine Skandale, keine Misswirtschaft und keine krassen Fehlentwicklungen. Ich glaube nur an Transparenz und habe daher für einige Jahrzehnte die Daten aus der Theaterstatistik herausgezogen (teils abgeschrieben, teils per copy&paste aus den PDFs des DBV gezogen, teils per Screenshot und OCR[7]-Erkennung transformiert). Ich habe die Daten nach der Erfassung und Transformation sorgfältig kontrolliert, kann aber Fehler nicht ausschließen

Die Daten beziehen sich auf die Mitglieder des Deutschen Bühnenvereins, also auf die Stadt- und Staatstheater und einige Privattheater. Deren Einzeldaten werden in einem separaten Kapitel aufgeführt, in den Summentabellen aber mit aufsummiert.

Was fehlt

Daher fehlen in dieser Betrachtung viele Daten von Privattheatern als auch die Daten kommerzieller Veranstalter wie der Stage Entertainment, die mit Dauerbrennern wie dem „König der Löwen“ und anderen Musicals jedes Jahr Millionen Besucher:innen anzieht. Ebenfalls nicht erfasst sind (mit wenigen Ausnahmen) die reinen Gastspieltheater ohne eigene Ensembles, die im Verband der „Interessengemeinschaft der Theater mit Gastspielen“ INTHEGA zusammengefasst sind (ca. 400 Theater)[8]. Auch fehlen die Soziokulturellen Zentren mit ihren vielfältigen Angeboten. Einen wirklich umfassenden Blick auf die Zahlen der Theaterlandschaft kann also die Theaterstatistik nicht bieten.   Es wäre aber wünschenswert, alle diese Daten zu erheben und in einer zentralen Kulturstatistik zusammen mit den Besuchen von Museen und Ausstellungen zu erfassen und auszuwerten. Regionale Ansätze dazu gibt es (s. die Arbeit des IKTF[9] in Berlin), die geplante ausführliche Erhebung von Kulturdaten in NRW (in Kooperation mit dem IKTF) und die geplante Erhebung in Hamburg (Kultursenator Carsten Brosda ist gleichzeitig Präsident des Deutschen Bühnenvereins), allerdings mit anderen Partnern und anderer Methodik, was wahrscheinlich zu wenig kompatiblen Daten führen wird. Auf die Berechnung des Inflationsausgleichs anhand des Verbraucherpreisindexes wurde bewusst verzichtet, um die Berechnungen und Darstellungen nicht weiter zu verkomplizieren.

Die Summentabellen sind überwiegend so strukturiert, dass zuerst eine Auflistung nach Gemeindegrößen erfolgt, dann werden die gleichen Daten auf Bundesländer gemappt. Für den Stadtstaat Bremen gilt z. B.: die Zahlen umfassen die Bremer Mitglieder im DBV: also das Theater Bremen, das Stadttheater Bremerhaven, die Bremer Shakespeare Company und das kleine Schnürschuh-Theater, nicht aber weitere Privattheater wie das Theaterschiff, das Packhaustheater, die Komödie im Tabakquartier etc..

Hier ein Beispiel für die Summentabelle zum Abteilung 8, Verhältniszahlen für Besuche, Einspielergebnisse und Zuschüsse.

Quelle: Theaterstatistik 2020/21 – Summentabelle mit Verhältniszahlen für Besuche, Einspielergebnisse und Zuschüsse

In den Summentabellen werden in der Regel auch Durchschnitte gebildet (z. B. Einspielergebnis in % je Bundesland und insgesamt), allerdings gibt es meinen Berechnungen gelegentlich kleinere Abweichungen, die möglicherweise auf andere Berechnungsarten zurückzuführen sind, dies konnte ich leider nicht aufklären (s. Beispiel im Anhang).

Theaterstatistiken von den Anfängen bis 1991
Staats- und Universitätsbibliothek Bremen
Foto: der Autor

Insgesamt gilt: Die grundlegenden Zahlen der Theaterstatistik werden jedes Jahr vom DBV von den Theatern abgefragt. Ob jedes Theater nach der gleichen Methode seine Daten erfasst, kann hier nicht beurteilt werden, auch nicht, ob manche Zahlen z.B. aus politischen Gründen geschönt wurden.

In den Summentabellen werden immer zum Vergleich die Vorjahreszahlen angegeben (s. o. letzte Zeile in der Summentabelle). Das ist der aktuellen Ausgabe 2020/21 nicht sehr hilfreich, denn 2019/20 war schon von Corona betroffen durch die Schliessungen ab dem 14.3.2020. Besser wäre es gewesen, die letzte vollständige Saison vor Corona (zusätzlich) mit anzubieten – das hätte Jahresvergleiche erleichtert.

Ticketingsysteme wie Eventim.Inhouse[10], die in vielen Theatern eingesetzt werden, bieten die automatische Erstellung der jährlichen Statistik für den DBV an. Nicht alle Theater können oder wollen diese Möglichkeit nutzen.

Weitere wichtige Hinweise zum Verständnis der Theaterstatistik:

  • Gezählt werden Besuche, nicht Besucher:innen. Wie viele unterschiedliche Menschen die Theater besuchen, kann aus den vorhandenen Daten nicht abgelesen werden.
  • Demographische Merkmale wie Alter, Geschlecht, Einkommen etc. sind aus den Daten nicht herauszulesen.
  • Während der Pandemie hat es Vorschriften gegeben, wie viele Zuschauer:innen sich im Saal aufhalten dürfen, die Anzahl der Plätze ist durch den Ausbau von ganzen Reihen oder die Belegung von Plätzen im Schachbrettmuster reduziert worden. Die Auslastung in Prozent reflektiert diese Beschränkung. Das Theater Bremen gibt z.B. für 2020/21 an, dass „baukonzeptionell“ 878 Plätze vorhanden sind, aber nur 125 „dem Publikum angeboten“ werden. Es sind also Plätze gesperrt worden. Sperrungen sind auch ohne Pandemie gelegentlich zu beobachten. Wenn Produktionen nicht oder nur schlecht laufen, werden schon mal ganze Bereiche wie die Ränge gesperrt. Diese gesperrten Plätze werden dann möglicherweise bei der Berechnung der Auslastung weggelassen, was die Auslastungs-Quote erhöht.
  • Für 2004/5 fehlen einige Zahlen, in manchen Statistiken sieht man daher eine Lücke. Die Fehler in dieser Statistik sind dem DBV bekannt und lassen sich nachträglich nicht mehr reparieren.

Die Theaterstatistik beschäftigt sich mit der Vergangenheit, das liegt in der Natur der Sache. Gerade zu einer Zeit, in der viel über Publikumsschwund berichtet wird (quod erat demonstrandum), braucht es eigentlich aktuelle Zahlen.

Zu den aktuellen Entwicklungen der letzten Monate hatte in der Tat der Bühnenverein im Februar 2023 eine Umfrage veröffentlicht. Die Ergebnisse waren im Wesentlichen positiv, allerdings hatte sich nur ca. ein Drittel der Mitglieder an der Umfrage beteiligtm was die Aussagekraft der Untersuchung doch stark schmälert. Ich habe hier über die Umfrage berichtet, die Pressemeldung findet sich hier.

Die Auswertungen

Ich habe mich auf einige Aspekte der Theaterstatistik konzentriert, um den Umfang dieses Artikels nicht zu sprengen. Es geht mir um Besuche, Betriebseinnahmen, Zuschüsse und Kennzahlen, die sich daraus errechnen lassen bzw. vom DBV bereitgestellt werden. Die Daten habe ich teils auf Bundesebene angeschaut, teils auf der Basis der Bundesländer. Nicht näher betrachtet habe ich die Ausgaben inkl. der Personalkosten sowie die Sammlung der Eintrittspreise (min. – max.). Das ist Material für einen weiteren Beitrag.

Besuche und Bevölkerungsentwicklung

Theaterbesuche stehen immer auch in einem Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Fachleute schätzen, dass nur ein kleiner Teil der Bevölkerung kulturelle Veranstaltungen besucht. Daher ist das Verhältnis Besuche/Bevölkerung nicht unspannend.

Die Bevölkerungsentwicklung war in den letzten 20 Jahren stetig, der kleine Knick in der Mitte der roten Linie ist durch eine Umstellung des Berechnungsverfahrens entstanden[11].

Theaterbesuche und Bevölkerungszahl haben sich leicht, aber nicht signifikant, auseinanderentwickelt.

Einnahmen

Ein Blick auf die Einnahmen zeigt, dass diese kontinuierlich gestiegen sind (Inflation, Tarifsteigerungen etc.). Die Schulden bzw. “besondere Finanzierungsmaßnahmen”, wie es seit Beginn der 2000er irgendwann heißt, bewegen sich auf niedrigem Niveau und spielen in der Gesamtbetrachtung eher eine kleine Rolle. Die Betriebseinnahmen sinken wegen der Pandemie stark ab, die Zuweisungen und Zuschüsse bleiben auf vorpandemischen Niveau. Manche Häuser konnten Kurzarbeit anmelden, das hat die Personaletats entlastet – viele Theater sind also finanziell vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen.

Abonnements, Besucherorganisationen und Einzelkarten

Die Art der Theaterbesuche hat sich über die Jahrzehnte signifikant verändert. Haben früher Abonnements und Besucherorganisationen wie die Volksbühne oder der Besucherring Dr. Otto Kasten (insolvent seit 2012) einen großen Anteil an den verkauften Karten gehabt, sind diese Anteile kontinuierlich gesunken. Hier ein Überblick über die Entwicklung seit den frühen 50er Jahren.

Diese Grafik enthält Zahlen seit Beginn der Bundesrepublik. 1991 ist ein deutlicher Sprung in den Zahlen nach oben zu erkennen. Hier wurden erstmals die Daten der neuen Bundesländer integriert.

In 2020/21 ist lt. Theaterstatistik keine Karte über Besucherorganisationen verkauft worden. Abos wurden vielerorts eingestellt und erst mit der Spielzeit 2022/23 wieder eingeführt. Das wird sich erst in der übernächsten Theaterstatistik niederschlagen, die vermutlich 2025 erscheinen wird.

Dafür ist die Anzahl der Einzelkarten massiv gestiegen: Die Menschen binden sich nicht mehr wie früher, sondern sind eher impulsgesteuert. Und kaufen sehr viel später ihre Karten – der Kaufzeitpunkt hat sich massiv in Richtung Vorstellungstag verschoben, was die Planung für die Veranstalter eher schwierig macht und Unsicherheiten über den Verkauf bis zum Schluss bedeutet.

[Hinweis: „alle anderen Tickets“ enthält alle Kartenabgaben jenseits von Abonnements u. Besucherorganisationen, darunter auch Dienstkarten, Gebührenkarten, Frei- und Ehrenkarten.]

Da ich in diesem Text nicht weiter auf die Personalentwicklung eingehe (seit Jahren sinken auch die Zahlen der Beschäftigten), hier ein Beispiel aus den frühen Jahren des Theaterstatistik – aus einer Zeit, wo es keine Textverarbeitung und keine Grafikprogramme gab.

Theaterstatistik 1949-1984, Grafik zur Personalentwicklung
Foto:
der Autor

Key Performance Indicators (KPIs)

Die Theaterstatistik stellt einige KPIs (Key Performance Indicators) bereit, die in der Kombination interessante Einblicke ermöglichen:

  • Besuche
  • Einspielergebnis in %
  • Betriebszuschuss pro Karte in €
  • Durchschnittlicher Erlös in €

Die Anzahl der Besuche bewegt sich in den letzten zwei Jahrzehnten ganz leicht nach unten, bleibt aber bis zur Pandemie über der 20 Millionen-Marke. Die Einspielergebnisse der Theater in Prozent steigen bis 2006 leicht an, erreichen dann aber auch schon ihren Peak bei 17,4% um dann auf leicht niedrigerem Niveau konstant bis zum Beginn der Pandemie bleiben.

In der nächsten Grafik betrachten wir das Verhältnis von Einspielergebnis und Betriebszuschuss.

Erkennbar ist, dass der Betriebszuschuss Jahr für Jahr von ca. 94€ auf 140€ pro Karte gestiegen ist (2019/20 ist schon pandemiebedingt weitaus höher, den Wert für 2020/21 hätte die Achsen so verschoben, dass er hier weggelassen worden ist). Die Einspielergebnisse haben einen leichten Peak um 2007/8 und flachen dann leicht ab (s.o.).

Als letztes schauen wir uns den Erlös pro Karte in € im Vergleich zum Betriebszuschuss an.

Hier ist erkennbar, dass Betriebszuschuss und Erlös Hand in Hand gehen, beide steigen moderat, für 2019/20 ist pandemiebedingt ein starker Sprung nach oben zu sehen, der Wert für 2020/21 wurde auch hier weggelassen, er würde wieder die Skala sprengen.

Aufschlüsselung einiger KPIs nach Bundesländern

Bisher beruhen die Diagramme alle aus einer summarischen Darstellung der Theater aller Bundesländer. Die Theaterstatistik schlüsselt in den Summentabellen die Zahlen auch einzeln nach Bundesländern aus. Eine Gesamtdarstellung ist eher verwirrend, zeigt aber die unterschiedlichen Kosten als Betriebszuschuss pro Zuschauer deutlich. Die gestrichelte orangene Linie zeigt jeweils den Bundesdurchschnitt im Vergleich.

Aufschlussreicher ist der Vergleich nach verschiedenen Kriterien. Hier der Blick auf die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen:

Hier der Blick auf die neuen Bundesländer:

Das Ziel ist, diese Grafik online und interaktiv (Auswahl aus mehreren KPIs über 16 Bundesländern und 20 Spielzeiten) bereitzustellen. Das bedarf aber noch einiger technischer Vorbereitungen.

Kommerzielle Anbieter

Musicals wie König der Löwen, Wicked, Tina etc. sind am Markt sehr erfolgreich. In den USA werden die Zahlen zu den Broadway-Musicals wöchentlich veröffentlicht.

Verkaufserlöse (grosses), Besucher:innen (attend) und Auslastung (% cap) werden zu allen Produktionen veröffentlicht:

 Die ersten 10 Einträge der Broadway-Produktionen (Woche vom 5.3.2023).
Quelle: The Broadway League[12]

Ein Teil dieser Musicals ist auch in Deutschland sehr erfolgreich. Sie werden überwiegend in Lizenz von Unternehmen wie der Stage Entertainment betrieben.

“Das Musical ‚Der König der Löwen‘ ist dabei eines der erfolgreichsten Musicals an allen Standorten. Am Broadway und im West End gehört es zu den Musicals mit den meisten Aufführungen aller Zeiten und ist mit einem Umsatz von rund 1,7 Milliarden US-Dollar aktuell das umsatzstärkste Musical am Broadway. In Hamburg wird die deutschsprachige Version des „Der König der Löwen“ im Stage Theater im Hafen seit mittlerweile fast 20 Jahren aufgeführt. Seitdem wurde das Stück über 7.000 Mal aufgeführt und von rund 13 Millionen Zuschauern gesehen.”[13]

Die Stage schreibt dazu:

“Statistisch hat jeder sechste Deutsche das Erfolgsmusical Disneys Der König der Löwen im Hamburger Stage Theater im Hafen gesehen.”[14]

In Deutschland betreibt die Stage eigene Theater im Stagione-Betrieb mit insgesamt 13.110 Plätzen[15]. Für Deutschland gibt die Stage für das Geschäftsjahr 2019 an: 3,6 Millionen Besucher mit einem Umsatz von € 310 Millionen[16]. Würde die Stage in der Theaterstatistik mitgezählt werden, käme sie für 2018/19 auf einen Besucheranteil von ca 15%[17].

Neben der Stage gibt es weitere Anbieter, u.a. die Mehr-BB-Entertainment GmbH[18], die u.a. mit dem Harry-Potter-Musical in Hamburg erfolgreich ist sowie mit dem Rollschuh-Musical Starlight Express, das seit über 30 Jahren in Bochum in einer Dauerschleife rollt (neben zahlreichen weiteren, meist Tournee-Produktionen). Die Theaterzeitschrift des DBV, die Deutsche Bühne, schreibt zwar über Produktionen wie Starlight Express, in der Statistik kommt sie trotzdem nicht vor[19], obwohl dort neben den Sparten Oper, Schauspiel, Tanz und Kinder- und Jugendtheater auch die Sparte Musical existiert. Dazu müssten die o.a. Anbieter Mitglieder im DBV sein. Aber Musicals im Stadttheater sind eben etwas anderes…

Daten wie vom Broadway gibt es für die deutsche Musical-Szene leider nicht.

Special: Auswertung der digitalen Angebote während der Pandemie

Erstmals aufgenommen hat der Bühnenverein Daten zu den digitalen Angeboten (Streaming), die während der Pandemie entstanden sind.

Streaming-Produktionen werden vom DBV so definiert:

„Unter Streaming-Produktionen sind ausschließlich komplette Opern- oder Schauspiel- oder Tanzproduktion, sowie
Konzerte angegeben. Nicht umfasst sind Wiederaufnahmen, Streamings von Ausschnitten oben genannter Produktionen und Kurzstreamings zu z. B. Marketingzwecken
[20]

Streaming-Produktionen sind überwiegend in diesen Formen gezeigt worden:

  • live vor der Kamera ohne Publikum
  • live mit teilweise Publikum oder
  • als Aufzeichnung in einem der beiden Formate

Die freie Szene hat daneben auch noch neue Produktionsformen entwickelt, z.B. Zoom-Theater, bei denen die Schauspieler:innen und die Zuschauer:innen sich in Zoom begegneten und teils interagierten.

Die Frage, wie erfolgreich diese Streaming-Angebote aus wirtschaftlicher Sicht waren, hat die Theaterstatistik untersucht.

Streaming während der Pandemie   Schon wenige Wochen nach dem ersten Lockdown begannen die ersten Theater damit, Aufzeichnungen von Aufführungen oder gar Proben im Internet anzubieten. Schnell kamen neue künstlerische Formate wie Zoom-Theater et al. hinzu. Diese hatten das Ziel, das Publikum mit Angeboten während der theaterlosen Zeit zu versorgen.   Ich habe mich damit ausführlich in meinem Blog „Kulturstreaming“ befasst und eine kleine Untersuchung dazu auch auf nachtkritik.de veröffentlicht.

Mein Fazit: die Angebote waren überwiegend nicht sonderlich erfolgreich, die Formate konnten die Besucher:innen online i.d.R. kaum länger als 10 Minuten binden. Die Zahlungsbereitschaft war niedrig und damit auch die in der Theaterstatistik verzeichneten Erlöse. Wirtschaftlich nachhaltig waren die Angebote daher nicht. Im Vergleich zu vollbesetzten Aufführungen in großen Sälen war der Erlös mickrig. Die meisten Angebote sind mit Öffnung der Theater wieder eingestellt worden.

Leider haben sich bei der Verarbeitung oder Erfassung der Daten für die Theaterstatistik Fehler eingeschlichen. Die Zahlen für das Deutsche Theater Berlin (DT) und das DNT Weimar in Thüringen sind um Größenordnungen falsch, das führt zu den rot gekennzeichneten Ausreißern in der Tabelle. Die telefonische Rücksprache mit den beiden Häusern hat das bestätigt. Der DBV ist informiert und prüft.

Hier die Anbieter mit den meisten Angeboten unter der Annahme, dass diese Zahlen korrekt erfasst wurden (Anzahl digitaler Veranstaltungen):

Die Besuche digitaler Angebote für die Spielzeit betrug insgesamt 2.170.996 mit 128.126 Nutzer:innen. Sie stellen damit 16,9% aller Zuschauer:innen (aka Haushalte) im Berichtszeitraum.

Die Einnahmen aus den digitalen Angeboten sind nur bei den Angaben zu den einzelnen Theatern angeführt, in der Summentabelle zu den Betriebseinahmen sind sie nicht gesondert ausgewiesen.

Wenn man die Posten einzeln summiert, wurden insgesamt €530.000 an Erlösen erzielt. Bezogen auf die Nutzer:innen[21] ist damit pro Ticket eine rechnerische Einnahme von €4,14 erzielt worden. [Anm.: Die Bühnen der Stadt Köln haben bei den Einnahmen die Summe von 225.000€ angegeben. Auch diese Zahl fällt sehr aus dem Rahmen und wird derzeit überprüft. Die rechnerische Einnahme pro Ticket könnte nach einer Korrektur noch halbiert werden. Tragbare Businesspläne für Streaming-Angebote müssen also erst noch gefunden werden.]

Die Spielpläne für die Spielzeit 2022/23 weisen kaum noch digitale Angebote aus, man wird daher sehen müssen, ob die Spalte zu digitalen Angeboten bzw. Nutzer:innen auf Dauer Bestand haben wird.

Fazit

Das Studium von Statistiken mag einigen Zeitgenossen als schwierig oder Zeitverschwendung vorkommen, für andere ist es eine spannende Lektüre, aus der sich viele neue Fragestellungen ergeben.

Einige dieser Fragen habe ich mir gestellt und hier versucht zu beantworten.

Weitere Fragen werden sicher aufkommen. Wie und wann sie beantwortet werden können, wird man sehen.

Die Theaterstatistik ist vergleichsweise umfangreich, auch wenn sie nicht alle Kulturunternehmen in diesem Bereich umfasst. Es sei daher daran erinnert, dass schon die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages in ihrer Abschlusspublikation 2007 empfohlen hat:

“Die Enquete-Kommission empfiehlt der Bundesregierung, eine bundeseinheitliche Kulturstatistik zu entwickeln. Mit den konzeptionellen Vorarbeiten soll das Statistische Bundesamt beauftragt werden. Als Grundlage hierfür sollen die Ergebnisse des Gutachtens des Statistischen Bundesamtes vom 26. November 2004 und die Ergebnisse des Abstimmungsprozesses des Statistischen Bundesamtes mit den Fachgremien der Kulturstatistik der Länder, Kommunen und Kulturverbände, insbesondere mit der Stellungnahme des Deutschen Städtetages, dienen.[22] (S. 435)

Ulrike Blumenreich kommentierte diese Empfehlung in einem Aufsatz in den Kulturpolitischen Mitteilungen:

“Dass die Kulturstatistik auch zehn Jahre nach den klaren Worten der Enquete-Kommission weiterhin ein Stiefkind innerhalb der statistischen Handlungsfelder ist, daran bestand in der Teilnehmer*innenrunde des Workshops kein Zweifel.“[23]

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat unter Mitwirkung vieler Fachleute (u.a. auch von Ulrike Blumenreich) den „Spartenbericht zur Darstellenden Kunst“ erstellt[24]. Er bezieht sich in großen Teilen auf die Theaterstatistik des DBV von 2018/19, daher fehlen auch in diesem Spartenbericht wesentliche Teile des Theaterwesens. Trotzdem bietet dieser Spartenbericht wertvolle Einblicke in viele Bereiche der Kultur.

Es bleibt also viel zu tun.

Wünschenswert wäre, wenn der DBV zukünftige Theaterstatistiken digital anbietet in Form von interaktiven Tabellen und Grafiken. Ein PDF anzubieten wie in diesem Jahr, geht da nicht weit genug – es entspricht exakt der gedruckten Form der letzten Jahrzehnte und erlaubt keinerlei eigene Auswertungen. Zudem gab es die Summentabellen schon seit vielen Jahren als PDF-Datei zum Download. Eine Digitalisierung der Daten aus alten Theaterstatistiken in Form von auswertbaren Datenbanken wird wohl eher nicht machbar sein, die meisten Kennzahlen aus den Summentabellen der letzten 20 Jahre habe ich allerdings für diesen Bericht schon erfasst. Eine Digitalisierung in Form von Scans aller vorhandenen Theaterstatistiken wäre aber sicher ohne große Aufwände machbar.

Anhang

Abweichung bei Berechnungen mit Excel zu den Zahlen des Deutschen Bühnenvereins

Beispiel für die leichten Abweichungen in den Berechnungen der Durchschnittszahlen.

Blick in die Theaterstatistik von 1857

Beispiel für die Daten zu den Theatern in Berlin:

Es gibt mehrere Währungsangaben: Thaler und die Umrechnung in Florentiner Gulden (Fl.). Die Wikipedia erklärt den 24-Fl.-Fuß so:   “Das Großherzogtum Baden übernahm – wie auch bei der Prägung von Goldgulden 1819 (siehe oben) und von Talern zu 100 Kreuzern 1829 – die Vorreiterrolle und gab von 1821 bis 1826 Gulden und zusätzlich von 1821 bis 1825 Doppelgulden heraus. Sie tragen die Aufschrift 1 G bzw. 2 G und waren im 24½-Gulden-Fuß ausgebracht, d. h., das Feingewicht betrug 9,545 g bzw. 19,090 g, bei einem Feingehalt von 750 ‰ bedeutete das ein Gesamtgewicht von 12,727 g bzw. 25,454 g.”[25]

Besucherzahlen für die Vorstellungen wurden wohl nicht gesammelt. Gerechnet wird eher mit dem Wert von vollbesuchten Vorstellungen (in Österreich „Massettenwert“ genannt).

Die komplette Inhaltsangabe für Theater-Statistik zeigt sowohl eine Vielzahl deutscher Theater (der Zeit geschuldet inkl. Wien, Prag, Königsberg et al.) sowie einer Vielzahl von Theatern in weiteren Ländern.

Quellen

Blumenreich, Ulrike / Löding, Ole: Auf dem Weg zu einer bundesweiten Kulturstatistik in Deutschland. In: Kulturpolitischen Mitteilungen 161 [2018]

DeSTATIS: Spartenbericht Darstellende Kunst, 2021 (einmalig erschienen, im Text verlinkt)

Deutscher Bühnenverein: Theaterstatistik (erscheint jährlich, 2022 erstmals vollständig kostenloser Download als PDF-Datei, im Text verlinkt)

Deutscher Bundestag: Kultur in Deutschland. Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages. Berlin, 2007

Glaap, Rainer: Das langsame Sterben der Besucherorganisationen, 2022 (Blog-Beitrag)

Glaap, Rainer: Entgelt als Abschaltfaktor, nachtkritik.de, 2020 (und in meinem Blog „kulturstreaming„)

Glaap, Rainer: Theaterstatistik 2020/21 erschienen, 2023 (Blog-Beitrag)

Haselbach, Dieter: Äpfel mit Birnen vergleichen. Zur Kennzahlenproblematik im Theater. In: Kulturpolitische Mitteilungen 91 [2000], S. 67-69

Klein, Armin: Besucherbindung im Kulturbetrieb, Wiesbaden, 2003

Küstner, Karl Theodor von: Vierunddreissig Jahre meiner Theaterleitung in Leipzig, Darmstadt, München und Berlin – Zur Geschichte und Statistik des Theaters, Leipzig, 1853

Küstner, Karl Theodor von: Taschen- und Handbuch für Theater-Statistik, Leipzig 1857

Schmidt, Ulf: Auf dem Weg zum agilen Theater, nachtkritik.de, 2014


Fussnoten

[1] Theaterstatistik. Hrsg. vom Deutschen Bühnenverein. Jährliche Ausgabe. Neueste Ausgabe 2020/21 veröffentlicht im März 2023. Erstmals vollständig kostenlos und als PDF abrufbar: . (Aufruf am 5.3.203)

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Theodor_von_K%C3%BCstner

[3] Küstner, Karl Theodor von: Vierunddreissig Jahre meiner Theaterleitung in Leipzig, Darmstadt, München und Berlin – Zur Geschichte und Statistik des Theaters, Leipzig, 1853

[4] Küstner, Karl Theodor von: Handbuch der Theater-Statistik, Leipzig, 1857

[5] Klein, Armin: Besucherbindung im Kulturbetrieb, Wiesbaden, 2003

[6] Still, Magnus: Ausverkauft – das ganze Jahr. Schott, Mainz, 2020

[7] OCR = Optical Character Recognition

[8] Für die INTHEGA gibt es bisher keine Statistik zu Veranstaltungen und Besucherzahlen. Die INTHEGA-Präsidentin Dorothee Starke schreibt im Kulturjournal 3/2022 der INTHEGA: „Bereits vor drei Jahren, als ich das Amt der

Präsidentin antrat, habe ich als einen meiner wichtigsten Schwerpunkte die Erstellung einer Gastspielstatistik benannt. Nicht zu wissen, wie viele Veranstaltungen unsere Mitglieder im Jahr stemmen, wie viele Menschen wir erreichen, erschien mir schon damals ein unhaltbarerer Zustand in Hinblick auf die Sichtbarmachung der INTHEGA.“; Mit der Erstellung einer Statistik wurde Prof. Dieter Haselbach (s. Gastbeitrag im Blog)) beauftragt. Quelle: http://www.inthega.de/publikationen/kultur-journal/

[9]Empirische Erkenntnisse zum Publikumsschwund – IKTF“ online in meinem Blog Publikumsschwund

[10] Der Autor hat 15 Jahre für dieses Produkt gearbeitet

[11] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2861/umfrage/entwicklung-der-gesamtbevoelkerung-deutschlands/

[12] https://www.broadwayleague.com/research/grosses-broadway-nyc/

[13] Statista unter https://de.statista.com/themen/4770/musicals/#topicHeader__wrapper

[14] https://www.stage-entertainment.de/presse/disneys-der-koenig-der-loewen/15-mio

[15] Dazu 2 Theater ohne Stagione-Betrieb mit weiteren 1.946 Plätzen

[16] https://www.stage-entertainment.de/ueber-uns/wer-wir-sind

[17] Ca. 20 Mio Besucher lt. Theaterstatistik + 3.6 Mio Besucher der Stage, davon die Quote

[18] https://www.mehr-bb-entertainment.de/presse.html

[19] Fischer, Jens: The Show must Roll on. Deutsche Bühne 6/2017 (nicht online verfügbar)

[20] Theaterstatistik 2020/21, S. 33

[21] Wie viele Zuschauer:innen sich hinter einer bezahlten Karte verbergen, lässt sich nicht ermitteln.

[22]Kultur in Deutschland”. Abschlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages, 2007

[23]Auf dem Weg zu einer bundesweiten Kulturstatistik in Deutschland.” Ulrike Blumenreich / Ole Löding in Kulturpolitischen Mitteilungen #161 in 2018

[24] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Kultur/Publikationen/Downloads-Kultur/spartenbericht-darstellende-kunst-5216103219004.html

[25] https://de.wikipedia.org/wiki/Gulden

Theaterstatistik – Key Performance Indicators in den Spielzeiten 2000 bis 2021

Diagramm, generiert von Dall-E nach Vorgaben des Autors

Die Theaterstatistik ist eine selbst in der Kulturöffentlichkeit wenig beachtete jährliche Veröffentlichung des Deutschen Bühnenvereins über betriebswirtschaftliche Details aus den Mitgliedsbetrieben, den Stadt- und Staatstheatern, einigen Privattheatern und Orchestern: Besuche, Premieren, Vorstellungen, Einnahmen und Ausgaben, Personal. Nicht mal in den Theatern interessiert man sich wirklich dafür – den meisten Künstler:innen wird es relativ gleichgültig sein, wie viele Zuschauer:innen genau in einer Vorstellung sitzen und wie die Lage bei den Einnahmen vs. Ausgaben ist. Ganz anders ist natürlich die Lage in der Verwaltung, wo genau diese Daten für Buchhaltung und Controlling von großer Bedeutung sind, dort entstehen auch die Zahlenwerke, die letzten Endes jedes Jahr beim Deutschen Bühnenverein die Grundlage für die Theaterstatistik[1] bilden.

Theaterstatistik 2020/2021 des Deutschen Bühnenvereins

Die ersten Theaterstatistiken entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der frühere Theaterleiter und Gründer des Deutschen Bühnenvereins (1849) Karl Theodor von Küstner[2] hat seit 1853 mehrere Ausgaben veröffentlicht. Im Vorwort seiner ersten Theaterstatistik schreibt er 1853[3]:

In der Ausgabe von 1857 heißt es:

“Es ist daher stets ein Princip meiner Administration gewesen, hierin die größte und möglichste Veröffentlichung eintreten zu lassen, lediglich aus dem Grunde, daß ich dadurch zu nützen glaubte.”[4]

Über die Theaterstatistik habe ich schon häufiger geschrieben (z. B. hier). Meine Motivation ist, ähnlich wie bei Küstner vor über 100 Jahren, die Transparenz.

Zum ersten Mal mit ihr in Berührung gekommen bin ich durch Seminare, die ich bei Prof. Armin Klein am Institut für Kulturmanagement in Ludwigsburg besucht habe. In seinem Buch „Besucherbindung im Kulturbetrieb“[5] findet  sich eine Statistik über den sinkenden Anteil der Abonnenten im Kartenverkauf. Seine Zahlen umfassen die Zahlen von 1990 bis 2000 (S. 151). Allerdings findet sich auf der gleichen Seite auch der Gegenbeweis über steigende Zahlen im gleichen Zeitraum – für die Oper Stuttgart. Zwangsläufig müsse die Entwicklung also nicht immer in Richtung sinkende Zahlen laufen, schreibt Klein schon damals. Auch Magnus Still[6] beweist bei seinen Kunden, überwiegend Orchestern, immer wieder, dass ausverkaufte Abonnements möglich sind (u.a. in diesem Blogbeitrag).

Ich habe dann irgendwann angefangen, diese Grafik fortzuführen für meine Lehrveranstaltungen zu „Ticketing und Vertrieb im Kulturmarketing“ an den Lehrstühlen für Kulturmanagement (Prof. Armin Klein) in Ludwigsburg und an der FU Berlin (Prof. Siebenhaar). Erstmals ausgeweitet habe ich meine kleine Zeitreihenuntersuchung dann 2022, als ich die Entwicklung bei den Besucherorganisationen untersucht habe (s. „Das langsame Sterben der Besucherorganisationen“, 2022).

2014 hielt der Dramatiker Ulf Schmidt einen Vortrag bei der Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft in Heidelberg, der später bei nachtkritik.de unter dem Titel „Auf dem Weg zum agilen Theater“ erschien. Für diesen inspirierenden Vortrag hatte er eine Vielzahl von Daten aus der Theaterstatistik zusammengetragen und war auf ein großes Interesse gestoßen – mit solchen Zahlen hatten sich Dramaturgen und Autoren bis dato kaum beschäftigt. Seither ist die Theaterstatistik eher kein Thema mehr gewesen.

Die hier vorliegenden Auswertungen enthüllen keine Skandale, keine Misswirtschaft und keine krassen Fehlentwicklungen. Ich glaube nur an Transparenz und habe daher für einige Jahrzehnte die Daten aus der Theaterstatistik herausgezogen (teils abgeschrieben, teils per copy&paste aus den PDFs des DBV gezogen, teils per Screenshot und OCR[7]-Erkennung transformiert). Ich habe die Daten nach der Erfassung und Transformation sorgfältig kontrolliert, kann aber Fehler nicht ausschließen

Die Daten beziehen sich auf die Mitglieder des Deutschen Bühnenvereins, also auf die Stadt- und Staatstheater und einige Privattheater. Deren Einzeldaten werden in einem separaten Kapitel aufgeführt, in den Summentabellen aber mit aufsummiert.

Was fehlt

Daher fehlen in dieser Betrachtung viele Daten von Privattheatern als auch die Daten kommerzieller Veranstalter wie der Stage Entertainment, die mit Dauerbrennern wie dem „König der Löwen“ und anderen Musicals jedes Jahr Millionen Besucher:innen anzieht. Ebenfalls nicht erfasst sind (mit wenigen Ausnahmen) die reinen Gastspieltheater ohne eigene Ensembles, die im Verband der „Interessengemeinschaft der Theater mit Gastspielen“ INTHEGA zusammengefasst sind (ca. 400 Theater)[8]. Auch fehlen die Soziokulturellen Zentren mit ihren vielfältigen Angeboten. Einen wirklich umfassenden Blick auf die Zahlen der Theaterlandschaft kann also die Theaterstatistik nicht bieten.   Es wäre aber wünschenswert, alle diese Daten zu erheben und in einer zentralen Kulturstatistik zusammen mit den Besuchen von Museen und Ausstellungen zu erfassen und auszuwerten. Regionale Ansätze dazu gibt es (s. die Arbeit des IKTF[9] in Berlin), die geplante ausführliche Erhebung von Kulturdaten in NRW (in Kooperation mit dem IKTF) und die geplante Erhebung in Hamburg (Kultursenator Carsten Brosda ist gleichzeitig Präsident des Deutschen Bühnenvereins), allerdings mit anderen Partnern und anderer Methodik, was wahrscheinlich zu wenig kompatiblen Daten führen wird. Auf die Berechnung des Inflationsausgleichs anhand des Verbraucherpreisindexes wurde bewusst verzichtet, um die Berechnungen und Darstellungen nicht weiter zu verkomplizieren.

Die Summentabellen sind überwiegend so strukturiert, dass zuerst eine Auflistung nach Gemeindegrößen erfolgt, dann werden die gleichen Daten auf Bundesländer gemappt. Für den Stadtstaat Bremen gilt z. B.: die Zahlen umfassen die Bremer Mitglieder im DBV: also das Theater Bremen, das Stadttheater Bremerhaven, die Bremer Shakespeare Company und das kleine Schnürschuh-Theater, nicht aber weitere Privattheater wie das Theaterschiff, das Packhaustheater, die Komödie im Tabakquartier etc..

Hier ein Beispiel für die Summentabelle zum Abteilung 8, Verhältniszahlen für Besuche, Einspielergebnisse und Zuschüsse.

Quelle: Theaterstatistik 2020/21 – Summentabelle mit Verhältniszahlen für Besuche, Einspielergebnisse und Zuschüsse

In den Summentabellen werden in der Regel auch Durchschnitte gebildet (z. B. Einspielergebnis in % je Bundesland und insgesamt), allerdings gibt es meinen Berechnungen gelegentlich kleinere Abweichungen, die möglicherweise auf andere Berechnungsarten zurückzuführen sind, dies konnte ich leider nicht aufklären (s. Beispiel im Anhang).

Theaterstatistiken von den Anfängen bis 1991
Staats- und Universitätsbibliothek Bremen
Foto: der Autor

Insgesamt gilt: Die grundlegenden Zahlen der Theaterstatistik werden jedes Jahr vom DBV von den Theatern abgefragt. Ob jedes Theater nach der gleichen Methode seine Daten erfasst, kann hier nicht beurteilt werden, auch nicht, ob manche Zahlen z.B. aus politischen Gründen geschönt wurden.

In den Summentabellen werden immer zum Vergleich die Vorjahreszahlen angegeben (s. o. letzte Zeile in der Summentabelle). Das ist der aktuellen Ausgabe 2020/21 nicht sehr hilfreich, denn 2019/20 war schon von Corona betroffen durch die Schliessungen ab dem 14.3.2020. Besser wäre es gewesen, die letzte vollständige Saison vor Corona (zusätzlich) mit anzubieten – das hätte Jahresvergleiche erleichtert.

Ticketingsysteme wie Eventim.Inhouse[10], die in vielen Theatern eingesetzt werden, bieten die automatische Erstellung der jährlichen Statistik für den DBV an. Nicht alle Theater können oder wollen diese Möglichkeit nutzen.

Weitere wichtige Hinweise zum Verständnis der Theaterstatistik:

  • Gezählt werden Besuche, nicht Besucher:innen. Wie viele unterschiedliche Menschen die Theater besuchen, kann aus den vorhandenen Daten nicht abgelesen werden.
  • Demographische Merkmale wie Alter, Geschlecht, Einkommen etc. sind aus den Daten nicht herauszulesen.
  • Während der Pandemie hat es Vorschriften gegeben, wie viele Zuschauer:innen sich im Saal aufhalten dürfen, die Anzahl der Plätze ist durch den Ausbau von ganzen Reihen oder die Belegung von Plätzen im Schachbrettmuster reduziert worden. Die Auslastung in Prozent reflektiert diese Beschränkung. Das Theater Bremen gibt z.B. für 2020/21 an, dass „baukonzeptionell“ 878 Plätze vorhanden sind, aber nur 125 „dem Publikum angeboten“ werden. Es sind also Plätze gesperrt worden. Sperrungen sind auch ohne Pandemie gelegentlich zu beobachten. Wenn Produktionen nicht oder nur schlecht laufen, werden schon mal ganze Bereiche wie die Ränge gesperrt. Diese gesperrten Plätze werden dann möglicherweise bei der Berechnung der Auslastung weggelassen, was die Auslastungs-Quote erhöht.
  • Für 2004/5 fehlen einige Zahlen, in manchen Statistiken sieht man daher eine Lücke. Die Fehler in dieser Statistik sind dem DBV bekannt und lassen sich nachträglich nicht mehr reparieren.

Die Theaterstatistik beschäftigt sich mit der Vergangenheit, das liegt in der Natur der Sache. Gerade zu einer Zeit, in der viel über Publikumsschwund berichtet wird (quod erat demonstrandum), braucht es eigentlich aktuelle Zahlen.

Zu den aktuellen Entwicklungen der letzten Monate hatte in der Tat der Bühnenverein im Februar 2023 eine Umfrage veröffentlicht. Die Ergebnisse waren im Wesentlichen positiv, allerdings hatte sich nur ca. ein Drittel der Mitglieder an der Umfrage beteiligtm was die Aussagekraft der Untersuchung doch stark schmälert. Ich habe hier über die Umfrage berichtet, die Pressemeldung findet sich hier.

Die Auswertungen

Ich habe mich auf einige Aspekte der Theaterstatistik konzentriert, um den Umfang dieses Artikels nicht zu sprengen. Es geht mir um Besuche, Betriebseinnahmen, Zuschüsse und Kennzahlen, die sich daraus errechnen lassen bzw. vom DBV bereitgestellt werden. Die Daten habe ich teils auf Bundesebene angeschaut, teils auf der Basis der Bundesländer. Nicht näher betrachtet habe ich die Ausgaben inkl. der Personalkosten sowie die Sammlung der Eintrittspreise (min. – max.). Das ist Material für einen weiteren Beitrag.

Besuche und Bevölkerungsentwicklung

Theaterbesuche stehen immer auch in einem Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Fachleute schätzen, dass nur ein kleiner Teil der Bevölkerung kulturelle Veranstaltungen besucht. Daher ist das Verhältnis Besuche/Bevölkerung nicht unspannend.

Die Bevölkerungsentwicklung war in den letzten 20 Jahren stetig, der kleine Knick in der Mitte der roten Linie ist durch eine Umstellung des Berechnungsverfahrens entstanden[11].

Theaterbesuche und Bevölkerungszahl haben sich leicht, aber nicht signifikant, auseinanderentwickelt.

Einnahmen

Ein Blick auf die Einnahmen zeigt, dass diese kontinuierlich gestiegen sind (Inflation, Tarifsteigerungen etc.). Die Schulden bzw. “besondere Finanzierungsmaßnahmen”, wie es seit Beginn der 2000er irgendwann heißt, bewegen sich auf niedrigem Niveau und spielen in der Gesamtbetrachtung eher eine kleine Rolle. Die Betriebseinnahmen sinken wegen der Pandemie stark ab, die Zuweisungen und Zuschüsse bleiben auf vorpandemischen Niveau. Manche Häuser konnten Kurzarbeit anmelden, das hat die Personaletats entlastet – viele Theater sind also finanziell vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen.

Abonnements, Besucherorganisationen und Einzelkarten

Die Art der Theaterbesuche hat sich über die Jahrzehnte signifikant verändert. Haben früher Abonnements und Besucherorganisationen wie die Volksbühne oder der Besucherring Dr. Otto Kasten (insolvent seit 2012) einen großen Anteil an den verkauften Karten gehabt, sind diese Anteile kontinuierlich gesunken. Hier ein Überblick über die Entwicklung seit den frühen 50er Jahren.

Diese Grafik enthält Zahlen seit Beginn der Bundesrepublik. 1991 ist ein deutlicher Sprung in den Zahlen nach oben zu erkennen. Hier wurden erstmals die Daten der neuen Bundesländer integriert.

In 2020/21 ist lt. Theaterstatistik keine Karte über Besucherorganisationen verkauft worden. Abos wurden vielerorts eingestellt und erst mit der Spielzeit 2022/23 wieder eingeführt. Das wird sich erst in der übernächsten Theaterstatistik niederschlagen, die vermutlich 2025 erscheinen wird.

Dafür ist die Anzahl der Einzelkarten massiv gestiegen: Die Menschen binden sich nicht mehr wie früher, sondern sind eher impulsgesteuert. Und kaufen sehr viel später ihre Karten – der Kaufzeitpunkt hat sich massiv in Richtung Vorstellungstag verschoben, was die Planung für die Veranstalter eher schwierig macht und Unsicherheiten über den Verkauf bis zum Schluss bedeutet.

[Hinweis: „alle anderen Tickets“ enthält alle Kartenabgaben jenseits von Abonnements u. Besucherorganisationen, darunter auch Dienstkarten, Gebührenkarten, Frei- und Ehrenkarten.]

Da ich in diesem Text nicht weiter auf die Personalentwicklung eingehe (seit Jahren sinken auch die Zahlen der Beschäftigten), hier ein Beispiel aus den frühen Jahren des Theaterstatistik – aus einer Zeit, wo es keine Textverarbeitung und keine Grafikprogramme gab.

Theaterstatistik 1949-1984, Grafik zur Personalentwicklung
Foto:
der Autor

Key Performance Indicators (KPIs)

Die Theaterstatistik stellt einige KPIs (Key Performance Indicators) bereit, die in der Kombination interessante Einblicke ermöglichen:

  • Besuche
  • Einspielergebnis in %
  • Betriebszuschuss pro Karte in €
  • Durchschnittlicher Erlös in €

Die Anzahl der Besuche bewegt sich in den letzten zwei Jahrzehnten ganz leicht nach unten, bleibt aber bis zur Pandemie über der 20 Millionen-Marke. Die Einspielergebnisse der Theater in Prozent steigen bis 2006 leicht an, erreichen dann aber auch schon ihren Peak bei 17,4% um dann auf leicht niedrigerem Niveau konstant bis zum Beginn der Pandemie bleiben.

In der nächsten Grafik betrachten wir das Verhältnis von Einspielergebnis und Betriebszuschuss.

Erkennbar ist, dass der Betriebszuschuss Jahr für Jahr von ca. 94€ auf 140€ pro Karte gestiegen ist (2019/20 ist schon pandemiebedingt weitaus höher, den Wert für 2020/21 hätte die Achsen so verschoben, dass er hier weggelassen worden ist). Die Einspielergebnisse haben einen leichten Peak um 2007/8 und flachen dann leicht ab (s.o.).

Als letztes schauen wir uns den Erlös pro Karte in € im Vergleich zum Betriebszuschuss an.

Hier ist erkennbar, dass Betriebszuschuss und Erlös Hand in Hand gehen, beide steigen moderat, für 2019/20 ist pandemiebedingt ein starker Sprung nach oben zu sehen, der Wert für 2020/21 wurde auch hier weggelassen, er würde wieder die Skala sprengen.

Aufschlüsselung einiger KPIs nach Bundesländern

Bisher beruhen die Diagramme alle aus einer summarischen Darstellung der Theater aller Bundesländer. Die Theaterstatistik schlüsselt in den Summentabellen die Zahlen auch einzeln nach Bundesländern aus. Eine Gesamtdarstellung ist eher verwirrend, zeigt aber die unterschiedlichen Kosten als Betriebszuschuss pro Zuschauer deutlich. Die gestrichelte orangene Linie zeigt jeweils den Bundesdurchschnitt im Vergleich.

Aufschlussreicher ist der Vergleich nach verschiedenen Kriterien. Hier der Blick auf die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen:

Hier der Blick auf die neuen Bundesländer:

Das Ziel ist, diese Grafik online und interaktiv (Auswahl aus mehreren KPIs über 16 Bundesländern und 20 Spielzeiten) bereitzustellen. Das bedarf aber noch einiger technischer Vorbereitungen.

Kommerzielle Anbieter

Musicals wie König der Löwen, Wicked, Tina etc. sind am Markt sehr erfolgreich. In den USA werden die Zahlen zu den Broadway-Musicals wöchentlich veröffentlicht.

Verkaufserlöse (grosses), Besucher:innen (attend) und Auslastung (% cap) werden zu allen Produktionen veröffentlicht:

 Die ersten 10 Einträge der Broadway-Produktionen (Woche vom 5.3.2023).
Quelle: The Broadway League[12]

Ein Teil dieser Musicals ist auch in Deutschland sehr erfolgreich. Sie werden überwiegend in Lizenz von Unternehmen wie der Stage Entertainment betrieben.

“Das Musical ‚Der König der Löwen‘ ist dabei eines der erfolgreichsten Musicals an allen Standorten. Am Broadway und im West End gehört es zu den Musicals mit den meisten Aufführungen aller Zeiten und ist mit einem Umsatz von rund 1,7 Milliarden US-Dollar aktuell das umsatzstärkste Musical am Broadway. In Hamburg wird die deutschsprachige Version des „Der König der Löwen“ im Stage Theater im Hafen seit mittlerweile fast 20 Jahren aufgeführt. Seitdem wurde das Stück über 7.000 Mal aufgeführt und von rund 13 Millionen Zuschauern gesehen.”[13]

Die Stage schreibt dazu:

“Statistisch hat jeder sechste Deutsche das Erfolgsmusical Disneys Der König der Löwen im Hamburger Stage Theater im Hafen gesehen.”[14]

In Deutschland betreibt die Stage eigene Theater im Stagione-Betrieb mit insgesamt 13.110 Plätzen[15]. Für Deutschland gibt die Stage für das Geschäftsjahr 2019 an: 3,6 Millionen Besucher mit einem Umsatz von € 310 Millionen[16]. Würde die Stage in der Theaterstatistik mitgezählt werden, käme sie für 2018/19 auf einen Besucheranteil von ca 15%[17].

Neben der Stage gibt es weitere Anbieter, u.a. die Mehr-BB-Entertainment GmbH[18], die u.a. mit dem Harry-Potter-Musical in Hamburg erfolgreich ist sowie mit dem Rollschuh-Musical Starlight Express, das seit über 30 Jahren in Bochum in einer Dauerschleife rollt (neben zahlreichen weiteren, meist Tournee-Produktionen). Die Theaterzeitschrift des DBV, die Deutsche Bühne, schreibt zwar über Produktionen wie Starlight Express, in der Statistik kommt sie trotzdem nicht vor[19], obwohl dort neben den Sparten Oper, Schauspiel, Tanz und Kinder- und Jugendtheater auch die Sparte Musical existiert. Dazu müssten die o.a. Anbieter Mitglieder im DBV sein. Aber Musicals im Stadttheater sind eben etwas anderes…

Daten wie vom Broadway gibt es für die deutsche Musical-Szene leider nicht.

Special: Auswertung der digitalen Angebote während der Pandemie

Erstmals aufgenommen hat der Bühnenverein Daten zu den digitalen Angeboten (Streaming), die während der Pandemie entstanden sind.

Streaming-Produktionen werden vom DBV so definiert:

„Unter Streaming-Produktionen sind ausschließlich komplette Opern- oder Schauspiel- oder Tanzproduktion, sowie
Konzerte angegeben. Nicht umfasst sind Wiederaufnahmen, Streamings von Ausschnitten oben genannter Produktionen und Kurzstreamings zu z. B. Marketingzwecken
[20]

Streaming-Produktionen sind überwiegend in diesen Formen gezeigt worden:

  • live vor der Kamera ohne Publikum
  • live mit teilweise Publikum oder
  • als Aufzeichnung in einem der beiden Formate

Die freie Szene hat daneben auch noch neue Produktionsformen entwickelt, z.B. Zoom-Theater, bei denen die Schauspieler:innen und die Zuschauer:innen sich in Zoom begegneten und teils interagierten.

Die Frage, wie erfolgreich diese Streaming-Angebote aus wirtschaftlicher Sicht waren, hat die Theaterstatistik untersucht.

Streaming während der Pandemie   Schon wenige Wochen nach dem ersten Lockdown begannen die ersten Theater damit, Aufzeichnungen von Aufführungen oder gar Proben im Internet anzubieten. Schnell kamen neue künstlerische Formate wie Zoom-Theater et al. hinzu. Diese hatten das Ziel, das Publikum mit Angeboten während der theaterlosen Zeit zu versorgen.   Ich habe mich damit ausführlich in meinem Blog „Kulturstreaming“ befasst und eine kleine Untersuchung dazu auch auf nachtkritik.de veröffentlicht.

Mein Fazit: die Angebote waren überwiegend nicht sonderlich erfolgreich, die Formate konnten die Besucher:innen online i.d.R. kaum länger als 10 Minuten binden. Die Zahlungsbereitschaft war niedrig und damit auch die in der Theaterstatistik verzeichneten Erlöse. Wirtschaftlich nachhaltig waren die Angebote daher nicht. Im Vergleich zu vollbesetzten Aufführungen in großen Sälen war der Erlös mickrig. Die meisten Angebote sind mit Öffnung der Theater wieder eingestellt worden.

Leider haben sich bei der Verarbeitung oder Erfassung der Daten für die Theaterstatistik Fehler eingeschlichen. Die Zahlen für das Deutsche Theater Berlin (DT) und das DNT Weimar in Thüringen sind um Größenordnungen falsch, das führt zu den rot gekennzeichneten Ausreißern in der Tabelle. Die telefonische Rücksprache mit den beiden Häusern hat das bestätigt. Der DBV ist informiert und prüft.

Hier die Anbieter mit den meisten Angeboten unter der Annahme, dass diese Zahlen korrekt erfasst wurden (Anzahl digitaler Veranstaltungen):

Die Besuche digitaler Angebote für die Spielzeit betrug insgesamt 2.170.996 mit 128.126 Nutzer:innen. Sie stellen damit 16,9% aller Zuschauer:innen (aka Haushalte) im Berichtszeitraum.

Die Einnahmen aus den digitalen Angeboten sind nur bei den Angaben zu den einzelnen Theatern angeführt, in der Summentabelle zu den Betriebseinahmen sind sie nicht gesondert ausgewiesen.

Wenn man die Posten einzeln summiert, wurden insgesamt €530.000 an Erlösen erzielt. Bezogen auf die Nutzer:innen[21] ist damit pro Ticket eine rechnerische Einnahme von €4,14 erzielt worden. [Anm.: Die Bühnen der Stadt Köln haben bei den Einnahmen die Summe von 225.000€ angegeben. Auch diese Zahl fällt sehr aus dem Rahmen und wird derzeit überprüft. Die rechnerische Einnahme pro Ticket könnte nach einer Korrektur noch halbiert werden. Tragbare Businesspläne für Streaming-Angebote müssen also erst noch gefunden werden.]

Die Spielpläne für die Spielzeit 2022/23 weisen kaum noch digitale Angebote aus, man wird daher sehen müssen, ob die Spalte zu digitalen Angeboten bzw. Nutzer:innen auf Dauer Bestand haben wird.

Fazit

Das Studium von Statistiken mag einigen Zeitgenossen als schwierig oder Zeitverschwendung vorkommen, für andere ist es eine spannende Lektüre, aus der sich viele neue Fragestellungen ergeben.

Einige dieser Fragen habe ich mir gestellt und hier versucht zu beantworten.

Weitere Fragen werden sicher aufkommen. Wie und wann sie beantwortet werden können, wird man sehen.

Die Theaterstatistik ist vergleichsweise umfangreich, auch wenn sie nicht alle Kulturunternehmen in diesem Bereich umfasst. Es sei daher daran erinnert, dass schon die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages in ihrer Abschlusspublikation 2007 empfohlen hat:

“Die Enquete-Kommission empfiehlt der Bundesregierung, eine bundeseinheitliche Kulturstatistik zu entwickeln. Mit den konzeptionellen Vorarbeiten soll das Statistische Bundesamt beauftragt werden. Als Grundlage hierfür sollen die Ergebnisse des Gutachtens des Statistischen Bundesamtes vom 26. November 2004 und die Ergebnisse des Abstimmungsprozesses des Statistischen Bundesamtes mit den Fachgremien der Kulturstatistik der Länder, Kommunen und Kulturverbände, insbesondere mit der Stellungnahme des Deutschen Städtetages, dienen.[22] (S. 435)

Ulrike Blumenreich kommentierte diese Empfehlung in einem Aufsatz in den Kulturpolitischen Mitteilungen:

“Dass die Kulturstatistik auch zehn Jahre nach den klaren Worten der Enquete-Kommission weiterhin ein Stiefkind innerhalb der statistischen Handlungsfelder ist, daran bestand in der Teilnehmer*innenrunde des Workshops kein Zweifel.“[23]

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat unter Mitwirkung vieler Fachleute (u.a. auch von Ulrike Blumenreich) den „Spartenbericht zur Darstellenden Kunst“ erstellt[24]. Er bezieht sich in großen Teilen auf die Theaterstatistik des DBV von 2018/19, daher fehlen auch in diesem Spartenbericht wesentliche Teile des Theaterwesens. Trotzdem bietet dieser Spartenbericht wertvolle Einblicke in viele Bereiche der Kultur.

Es bleibt also viel zu tun.

Wünschenswert wäre, wenn der DBV zukünftige Theaterstatistiken digital anbietet in Form von interaktiven Tabellen und Grafiken. Ein PDF anzubieten wie in diesem Jahr, geht da nicht weit genug – es entspricht exakt der gedruckten Form der letzten Jahrzehnte und erlaubt keinerlei eigene Auswertungen. Zudem gab es die Summentabellen schon seit vielen Jahren als PDF-Datei zum Download. Eine Digitalisierung der Daten aus alten Theaterstatistiken in Form von auswertbaren Datenbanken wird wohl eher nicht machbar sein, die meisten Kennzahlen aus den Summentabellen der letzten 20 Jahre habe ich allerdings für diesen Bericht schon erfasst. Eine Digitalisierung in Form von Scans aller vorhandenen Theaterstatistiken wäre aber sicher ohne große Aufwände machbar.

Anhang

Abweichung bei Berechnungen mit Excel zu den Zahlen des Deutschen Bühnenvereins

Beispiel für die leichten Abweichungen in den Berechnungen der Durchschnittszahlen.

Blick in die Theaterstatistik von 1857

Beispiel für die Daten zu den Theatern in Berlin:

Es gibt mehrere Währungsangaben: Thaler und die Umrechnung in Florentiner Gulden (Fl.). Die Wikipedia erklärt den 24-Fl.-Fuß so:   “Das Großherzogtum Baden übernahm – wie auch bei der Prägung von Goldgulden 1819 (siehe oben) und von Talern zu 100 Kreuzern 1829 – die Vorreiterrolle und gab von 1821 bis 1826 Gulden und zusätzlich von 1821 bis 1825 Doppelgulden heraus. Sie tragen die Aufschrift 1 G bzw. 2 G und waren im 24½-Gulden-Fuß ausgebracht, d. h., das Feingewicht betrug 9,545 g bzw. 19,090 g, bei einem Feingehalt von 750 ‰ bedeutete das ein Gesamtgewicht von 12,727 g bzw. 25,454 g.”[25]

Besucherzahlen für die Vorstellungen wurden wohl nicht gesammelt. Gerechnet wird eher mit dem Wert von vollbesuchten Vorstellungen (in Österreich „Massettenwert“ genannt).

Die komplette Inhaltsangabe für Theater-Statistik zeigt sowohl eine Vielzahl deutscher Theater (der Zeit geschuldet inkl. Wien, Prag, Königsberg et al.) sowie einer Vielzahl von Theatern in weiteren Ländern.

Quellen

Blumenreich, Ulrike / Löding, Ole: Auf dem Weg zu einer bundesweiten Kulturstatistik in Deutschland. In: Kulturpolitischen Mitteilungen 161 [2018]

DeSTATIS: Spartenbericht Darstellende Kunst, 2021 (einmalig erschienen, im Text verlinkt)

Deutscher Bühnenverein: Theaterstatistik (erscheint jährlich, 2022 erstmals vollständig kostenloser Download als PDF-Datei, im Text verlinkt)

Deutscher Bundestag: Kultur in Deutschland. Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages. Berlin, 2007

Glaap, Rainer: Das langsame Sterben der Besucherorganisationen, 2022 (Blog-Beitrag)

Glaap, Rainer: Entgelt als Abschaltfaktor, nachtkritik.de, 2020 (und in meinem Blog „kulturstreaming„)

Glaap, Rainer: Theaterstatistik 2020/21 erschienen, 2023 (Blog-Beitrag)

Haselbach, Dieter: Äpfel mit Birnen vergleichen. Zur Kennzahlenproblematik im Theater. In: Kulturpolitische Mitteilungen 91 [2000], S. 67-69

Klein, Armin: Besucherbindung im Kulturbetrieb, Wiesbaden, 2003

Küstner, Karl Theodor von: Vierunddreissig Jahre meiner Theaterleitung in Leipzig, Darmstadt, München und Berlin – Zur Geschichte und Statistik des Theaters, Leipzig, 1853

Küstner, Karl Theodor von: Taschen- und Handbuch für Theater-Statistik, Leipzig 1857

Schmidt, Ulf: Auf dem Weg zum agilen Theater, nachtkritik.de, 2014


Fussnoten

[1] Theaterstatistik. Hrsg. vom Deutschen Bühnenverein. Jährliche Ausgabe. Neueste Ausgabe 2020/21 veröffentlicht im März 2023. Erstmals vollständig kostenlos und als PDF abrufbar: . (Aufruf am 5.3.203)

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Theodor_von_K%C3%BCstner

[3] Küstner, Karl Theodor von: Vierunddreissig Jahre meiner Theaterleitung in Leipzig, Darmstadt, München und Berlin – Zur Geschichte und Statistik des Theaters, Leipzig, 1853

[4] Küstner, Karl Theodor von: Handbuch der Theater-Statistik, Leipzig, 1857

[5] Klein, Armin: Besucherbindung im Kulturbetrieb, Wiesbaden, 2003

[6] Still, Magnus: Ausverkauft – das ganze Jahr. Schott, Mainz, 2020

[7] OCR = Optical Character Recognition

[8] Für die INTHEGA gibt es bisher keine Statistik zu Veranstaltungen und Besucherzahlen. Die INTHEGA-Präsidentin Dorothee Starke schreibt im Kulturjournal 3/2022 der INTHEGA: „Bereits vor drei Jahren, als ich das Amt der

Präsidentin antrat, habe ich als einen meiner wichtigsten Schwerpunkte die Erstellung einer Gastspielstatistik benannt. Nicht zu wissen, wie viele Veranstaltungen unsere Mitglieder im Jahr stemmen, wie viele Menschen wir erreichen, erschien mir schon damals ein unhaltbarerer Zustand in Hinblick auf die Sichtbarmachung der INTHEGA.“; Mit der Erstellung einer Statistik wurde Prof. Dieter Haselbach (s. Gastbeitrag im Blog)) beauftragt. Quelle: http://www.inthega.de/publikationen/kultur-journal/

[9]Empirische Erkenntnisse zum Publikumsschwund – IKTF“ online in meinem Blog Publikumsschwund

[10] Der Autor hat 15 Jahre für dieses Produkt gearbeitet

[11] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2861/umfrage/entwicklung-der-gesamtbevoelkerung-deutschlands/

[12] https://www.broadwayleague.com/research/grosses-broadway-nyc/

[13] Statista unter https://de.statista.com/themen/4770/musicals/#topicHeader__wrapper

[14] https://www.stage-entertainment.de/presse/disneys-der-koenig-der-loewen/15-mio

[15] Dazu 2 Theater ohne Stagione-Betrieb mit weiteren 1.946 Plätzen

[16] https://www.stage-entertainment.de/ueber-uns/wer-wir-sind

[17] Ca. 20 Mio Besucher lt. Theaterstatistik + 3.6 Mio Besucher der Stage, davon die Quote

[18] https://www.mehr-bb-entertainment.de/presse.html

[19] Fischer, Jens: The Show must Roll on. Deutsche Bühne 6/2017 (nicht online verfügbar)

[20] Theaterstatistik 2020/21, S. 33

[21] Wie viele Zuschauer:innen sich hinter einer bezahlten Karte verbergen, lässt sich nicht ermitteln.

[22]Kultur in Deutschland”. Abschlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages, 2007

[23]Auf dem Weg zu einer bundesweiten Kulturstatistik in Deutschland.” Ulrike Blumenreich / Ole Löding in Kulturpolitischen Mitteilungen #161 in 2018

[24] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Kultur/Publikationen/Downloads-Kultur/spartenbericht-darstellende-kunst-5216103219004.html

[25] https://de.wikipedia.org/wiki/Gulden

In eigener Sache

Diesen Blog zum Thema Publikumsschwund habe ich im Juni 2022 nach Lockdowns und Kapazitätsbeschränkungen begonnen (und bisher 181 Beiträge veröffentlicht). Das Publikum kam nur sehr zögerlich zurück, ganze Sitzreihen waren ausgebaut oder gesperrt, die Besucher wie auf dem Schachbrett nur auf die weißen Felder gesetzt – alles wegen der Hygiene.

Das Titelbild für meinen Blog zeigte daher ein leeres Theater und eine leere Bühne.

Die Aufnahme hatte ich selber gemacht bei einer Audio-Performance von Nadine Geyersbach (Bremer Ensemble) für eine einzelne Person (mich) im ersten Rang des Theaters Bremen.

Als die Theater, Opern- und Konzerthäuser (und Kinos und und) wieder aufmachten, war das Publikum sehr zögerlich. Die Jungen kamen schneller zurück als die Alten, die Kinos füllten sich eher als die klassischen Konzertsäle, die Events zogen (und ziehen) mehr als „irriterierende“ Stücke.

Seit dem Herbst 2022 ziehen die Zahlen vielerorts wieder an, einige Leuchttürme melden Monat für Monat „ausverkauft“, z. B. das Berliner Ensemble.

Die spannende Frage ist: kommen alle wieder zurück? Vielleicht ist es noch zu früh, diese Frage wieder zu beantworten – denn noch sind nicht alle wieder da. Insbesondere die Abos haben in vielen Theatern gelitten.

Ich werde die Entwicklung weiter beobachten und bleibe am Thema.

Trotzdem hat das alte Titelbild jetzt ausgedient. Das neue Logo zeigt schräg nach oben, das „VORBEI!?“ trägt aber noch sowohl Ausrufe- als auch Fragezeichen.

Den Namen des Blogs zu ändern kann ich mich noch nicht entschließen … Aber wer weiß.

„Kultur für alle“ – ein Subventionsprogramm für Gebildete und Begüterte

Blick auf Zürich
Quelle: Photo by CEphoto, Uwe Aranas / © CEphoto (Wikimedia)

„Kultur für alle“ – ein Subventionsprogramm für Gebildete und Begüterte – das schreibt Pius Knüsel (Mitautor des Buches „Kulturinfarkt“*), am 26.2.23 in der NZZ.

Er spannt den großen Bogen von einer französischen Untersuchung zum Kulturverhalten der Franzosen aus dem Jahre 2009 (Ergebnis: „Èchec – Flop“, schrieb wohl Le Monde) zum Ende der Intendanz von Benjamin von Blomberg und Nicolas Stemann am Schauspielhaus Zürich.

Kultur sei nach wie vor ein Distinktionsmerkmal (Bourdieu). Die Zielgruppen seien eng und klein, vielleicht noch mehr als früher. Es gebe kaum Durchlässigkeiten zwischen den Gruppen. In Frankreich sei es in 30 Jahren Kulturpolitik weder gelungen, weitere Publikumsschichten anzusprechen noch, Ungleichheiten auszugleichen.

Trotzdem renne die Kulturpolitik immer noch den alten Idealen eines „Kultur für alle“ (Hilmar Hoffmann, 1979) nach und gebe Milliarden aus, um die Kulturtempel zu bauen oder zu renovieren (Ausgaben in der Schweiz: 1 Milliarde SFR in den letzten 10 Jahren, in Deutschland stünden aktuell Großprojekte mit einem Auftragswert von geschätzt ca. 10 Milliarden Euro an: Opern u. Schauspiel in Köln und Frankfurt, Oper Stuttgart, Komische Oper Berlin et al.).

Die Kulturpolitik fordere ständig mehr Geld, rede immer noch in Teilen von Gratisangeboten (derzeit wieder in Bremen ein Thema) und wolle nicht merken, dass ihre Angebote bei den neuen Zielgruppen, die sie im Auge hat, nicht verfange.

Tragisch sei „die Unehrlichkeit“, mit der die Kulturpolitik behaupte, Kultur für die Massen schaffen zu wollen, aber doch nur die gebildete obere Mittelschicht erreicht.

Theater für alle? Auch die nächste Intendanz in Zürich werde wieder „Theater für alle“ machen, „es wird bloss Theater für andere sein“.

Quelle: „Die Kulturpolitik braucht dringend mehr Ehrlichkeit„, NZZ, 26.3.2023 (Anmeldung erforderlich, Paywall)

* „Der Kulturinfarkt“, Armin Klein, Dieter Haselbach, Pius Knüsel, Stephan Opitz (Blogbeiträge von Armin Klein und Dieter Haselbach)

Solingen führt 5-Euro-Ticket ein? Nein – nur die Ermäßigungen ändern sich

Screenshot des Solinger Spielplans 2022/23
Quelle: https://theater-solingen.de/programm-tickets/

Clickbaiting beim Solinger Tageblatt, das über eine Initiative berichtet, in Solingen ein angebliches 5-Euro-Ticket fürs Theater einzuführen.

Die Titelzeile ist sicher eine Anspielung auf das „9-Euro-Ticket“ in Hagen (Blogbeitrag hier). Bei genauerem Lesen erfährt man allerdings, dass Solingen nur die Rabattstruktur für sein reines Gastspiel-Theater verändern will, von einem generellen 5-Euro-Ticket kann keine Rede sein. Ermäßigte Karten gab es schon immer, jetzt sollen diese Karten einheitlich 5 Euro kosten – ab der neuen Spielzeit im August 2023.

Darum geht es:

So ist vorgesehen, dass es laut Beschlussvorlage voraussichtlich „Einzeltickets für Kinder, Schülerinnen und Schüler, Studierende (bis 27 Jahre), Auszubildende, Personen, die den Bundesfreiwilligendienst oder ein Freiwilliges Soziales Jahr ableisten, Inhaberinnen und Inhaber des Solingen-Passes, Empfangende von Leistungen nach SGB II und XII, nach Wohngeldgesetz oder Asylbewerberleistungsgesetz, Schwerbehinderte mit Merkmal B und ihre Begleitung jeweils bei Vorlage des entsprechenden Nachweises“ für 5 Euro verkauft werden. Für Konzerte der Bergischen Symphoniker, bei denen der Orchester-Soli fällig wird, kostet das ermäßigte Ticket dann 6,50 Euro an der Theaterkasse.

Wie hier im Blog schon häufig beschrieben, kommen Menschen nicht einfach ins Theater, weil es günstig oder gar kostenlos ist. Es muss für sie relevant sein, es muss sie interessieren. Häufig fehlt kulturelle Bildung, um Theaterangebote schätzen zu können. Wer also neue Preisstrukturen einführt und glaubt, jetzt kommen die Menschen, irrt. Ohne Begleitprogramme und möglicherweise veränderter Angebotsstruktur wird sich da wenig bis nichts bewegen. Das weiß man aber wohl auch in Solingen:

 In der Vorlage geht das Kulturmanagement nicht von einem direkten Boom in der Kasse aus. Rund 4000 Euro Mehreinnahmen sind kalkuliert.

Und Sprengkraft hat sicherlich das Vorhaben, gleich eine weitere Änderung vorzunehmen: die generelle Ermäßigung für Senioren ab 65 fällt weg.

Quelle: Das Theater führt im August das 5-Euro-Ticket ein. Solinger Tageblatt, 27.2.2023

Neue Besucherzahlen: Kommt die Kultur aus der Krise? – WDR 3

WDR-Arkaden in Köln
Quelle: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Der kulturpolitische Reporter Peter Grabowski beschäftigt sich in einer mehrteiligen Serie mit der Frage, ob und wie die Kultur aus der Krise kommt.

Die Beiträge sind kurz und knackig und können in der WDR Audiothek nachgehört werden. Im ersten Beitag spricht Peter Grabowski u.a. mit Gerald Mertens von unisono/DOV (s. Beitrag hier) und Vera Allmanritter vom IKTF in Berlin (s. Beitrag hier).

Quelle: WDR Audiothek

Theaterstatistik 2020/21 erschienen

Die Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins DBV für die Saison 2020/21 ist am 23.2.2023 erschienen und erstmals vollständig kostenlos als PDF-Download verfügbar.

Aus der Pressemeldung des DBV:

Die digitale Theaterstatistik 2020/2021 des Deutschen Bühnenvereins dokumentiert die Auswirkungen der drastischen, pandemiebedingten Schließungen auf die Theater und Orchester. Erstmals bildet die Theaterstatistik auch die Zahl der Nutzer:innen der kostenpflichtigen Digitalangebote der Bühnen ab.

Die Anzahl der Veranstaltungen und die Zahl der Besucher:innen sind als Folge des zweiten, lange andauernden Lockdown ab November 2020 signifikant gesunken. Auch die Zahl der Besucher:innen ging deutlich zurück. Im Bereich der Personalzahlen zeigt sich bei den Fest-Beschäftigten weiterhin die positive Auswirkung der Anmeldung zur Kurzarbeit, so dass die Anzahl der ständig Beschäftigten nahezu konstant blieb. Bei den unständig Beschäftigten wird, bedingt durch die erheblich geringere Anzahl an Veranstaltungen, ein deutlicher Rückgang von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet.

Staats- und Stadttheater, Landesbühnen und Orchester (inklusive Theaterorchester) sowie Privattheater und Festspiele teilten 2020/2021 ihre Einnahmen und Ausgaben, Personalangaben, Besuchszahlen und Veranstaltungen mit. Die Statistik ist das umfangreichste Nachschlagewerk über die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung der Theater und Orchester in Deutschland.

Die Theaterstatistik ist sehr hilfreich zur Beurteilung historischer Entwicklungen. So konnte ich daraus eine historische Übersicht der Entwicklung Besuche-Zahlen bei Abonnements und Besucherorganisationen erzeugen (Blogbeitrag hier). Die Theaterstatistik mit den Bänden seit den 60er Jahren ist in in vielen Bibliotheken verfügbar, z.b. auch in Bremen in der UniBib.

Aufgrund der Pandemie waren die Häuser teils noch geschlossen, teils gab es nur eingeschränkte Platzzahlen, teils sind Vorstellungen aufgrund von Krankheiten im Ensemble ausgefallen.

Die Zuschüsse pro Platz sind immer ein interessanter Indikator, für die hier ausgewertete Saison sind die Zahlen natürlich besonders schlecht, die Vergleichszahl zur Saison 2019/20, die ja auch schon ab Mitte März 2020 deutlich geschwächt war, wird mit angegeben (zum Vergleich 2018/19: €141,15).

Rot gekennzeichnet: der Betriebszuschuß pro Besuch in Euro
Quelle: Theaterstatistik 2020/21
Deutscher Bühnenverein

Die Besuche sind natürlich dramatisch eingebrochen auf 2,17 Millionen. Interessant und hilfreich wäre es gewesen, zum Vergleich nicht nur die Saison 2019/20 zu zeigen, sondern auch noch die letzte vollständige Saison vor Corona. Die Gesamtzahl der Besuche in 2018/19 betrug 20.346.100, ein Einbruch um ca. 90% zu 2020/21.

Besonders dramatisch ist wegen der vielen Schulschließungen und eingeschränkten Platzverfügbarkeit durch Hygienemaßnahmen der Rückgang bei den Besuchen von jungen Menschen. Nur noch 11,5% der Karten gingen an sie im Vergleich zu 18.7% davor (zum Vergleich: 84,2% in 2018/19).

Besuche von Veranstaltungen, rot gekennzeichnet: Kinder- und Jugendkarten, Studierende
Quelle: Theaterstatistik 2020/21
Deutscher Bühnenverein

Die Summentabellen waren immer eine große Hilfe bei Auswertungen wie oben. Diese standen beim Bühnenverein (schon immer) kostenlos als PDF-Dateien zur Verfügung.

Das jetzt die gesamte Theaterstatistik kostenlos zum Download zur Verfügung steht, ist natürlich begrüßenswert.

Aber: als ich in der Ankündigung in einem Newsletter des DBV im Dezember las, dass die Statistik digital zur Verfügung gestellt wurde, hat meine Fantasie gleich Purzelbäume geschlagen und ich dachte an eine Art Data Warehouse, mit dem geneigte Interessierte auch selbst beliebige Auswertungen erzeugen könnten.

Dass jetzt der Band einfach nicht mehr gedruckt wird, sondern der gleiche Inhalt (nur noch) als PDF zur Verfügung gestellt wird, ist natürlich in vielerlei Hinsicht begrüßenswert, enttäuscht aber dennoch, da die Daten nicht weiterverarbeitbar sind …

Und natürlich stellt sich die Frage der Ablage. Die Statistiken aus den 60ern kann man problemlos in der UniBib und anderswo einsehen. Wo aber jemand in 60 Jahren die Daten der Theaterstatistik auswerten wird, kann ich heute nicht mal vermuten (das ist aber natürlich nicht nur ein Problem des DBV) …

Quelle: Theaterstatistik. Deutscher Bühnenverein (erstmals kostenloser Download der gesamten Theaterstatistik als PDF)

Korrektur: In der ersten Fassung hieß es fälschlicherweise, die Theaterstatistik 2021/22 sei erschienen.

Ein Drittel der Plätze bleibt immer noch leer: Burgtheater Wien

Wiener Staatsoper
Quelle: Wikimedia

Die Bundestheater-Holding, die in Wien für die Staatsoper, die Volksoper und das Burgtheater steht, hat gestern ihre Zahlen für die vergangene Saison 2021/22 veröffentlicht. Diese Saison war natürlich noch stark von Corona geprägt.

In der vergangenen Saison, 2021/22, erreichte man
in der Staatsoper 86 Prozent, in der Volksoper nur 61 Prozent.
Nur wenig erholt hat sich indessen das Burgtheater: Von 61
Prozent in der vorigen Saison auf derzeit 64 in der laufenden stieg
die Auslastung – im Akademietheater sei sie dabei etwas höher als im
Haupthaus, so Kircher. Vor Corona lag sie noch bei 82 Prozent.

Die Opernhäuser stehen sehr gut da. In der laufenden Saison 2022/23 (ohne Corona-Maßnahmen) haben die Besucherzahlen sich erholt:

Zumindest, was die beiden Opernhäuser angeht, lässt sich das mit
Zahlen aus der laufenden Saison untermauern – der ersten seit
Pandemiebeginn, die ganz ohne Lockdowns, 2G-Regeln oder andere
Beschränkungen ablief: Bis einschließlich Jänner erreichte man in
der Staatsoper eine Auslastung von rund 98 Prozent (genau so viel
wie in der letzten kompletten Vor-Corona-Saison, 2018/19), in der
Volksoper sind es rund 75 Prozent (vor Corona: 80 Prozent).

Natürlich freut mich dieser Passus in der Pressemeldung ganz besonders, handelt es sich doch um Eventim.Inhouse, das Produkt, das ich während der letzten 15 Jahre meines Erwerbslebens intensiv in vielen Funktionen betreut habe (Produkt Marketing, Dokumentation, Support, Consulting, Web-Auftritt u.v.m.):

Ein Meilenstein des Geschäftsjahres 2021/22 war unter anderem die Implementierung des neuen Ticketing-Systems. Damit konnte das größte Organisationsprojekt seit der Ausgliederung der Bundestheater im Jahr 1999 abgeschlossen und ein signifikantes Einsparungspotential erzielt werden.

Quellen:

In die Opern kehrt das Publikum zurück, ins Burgtheater kaum. Die Presse, 22.2.2023 (Paywall)

Geschäftsbericht der Saison 2021/22 (PDF-Download), Bundestheaterholding

Pressemeldung zum Geschäftsbericht 2021/22 (PDF), Bundestheaterholding